Im Folgenden gibt es den Versuch, Begriffe/Perspektiven/Wörter, die neben den bisherigen Definitionen (Genderidentitäten, Selbstbezeichnungen etc.)  für unsere Bildungsarbeit und unsere Ansätze wichtig sind, so niederschwellig wie möglich zu definieren.

 

Ableismus

Ableismus bezeichnet eine Diskriminierungsform gegenüber Menschen, denen körperliche und/oder geistige „Behinderungen“ und/oder “Einschränkungen” zugeschrieben werden. Auf gesellschaftlicher Ebene werden soziale Ausgrenzungen und Vorurteile durch institutionalisierte Formen wie z. B. sprachliche Beleidigungen, nicht barrierefreie Architektur, erschwerter Zugang zum Arbeitsmarkt, Diskriminierung und Ausschluss im Bildungssystem etc. untermauert und gefestigt.

 

able-bodied

Als able-bodied werden Körper bezeichnet, die gesellschaftlich als psychisch und physisch gesund gelten.

 

Ally

Als Ally (deutsch: Verbündete_r) werden Personen bezeichnet, die sich für die Rechte und Gleichbehandlung von diskriminierten Personen einsetzen – z. B. von LGBT*IAQ-Personen oder von Rassismus betroffenen Personen. Dies kann sich auf die Unterstützung durch Personen beziehen, die sich nicht als LGBT*IAQ sehen, aber auch auf die Unterstützung zwischen den einzelnen Communities.

 

Androzentrismus

Bezeichnet eine Weltanschauung, die den Mann* beziehungsweise das Männliche in ihr Zentrum stellt und zum Maßstab und zur Norm erklärt.

 

“Behinderung”

Wenn wir vom quix-kollektiv von “Behinderung” sprechen, meinen wir nicht wie im üblichen Sinne eine körperliche “Benachteiligung”, sondern eine sozial gemachte Kategorie, die nicht „natürlich“ ist, sondern Menschen zugeschrieben wird.

 

Binäre Geschlechterordnung (häufig auch: Zweigeschlechtersystem)

System von gesellschaftlichen Normen und medizinischen Zuweisungspraxen, das zweikörperlich definierte Geschlechter als Realität entwirft, die sich gegenseitig ausschließen und als gegensätzlich verstanden werden. Diese Vorstellung setzte sich in Europa erst im 18. Jahrhundert durch und wurde in Folge des Kolonialismus weltweit gewaltsam durchgesetzt.

In der Vorstellungswelt der Zweigeschlechtlichkeit entscheidet sich das Geschlecht eines Kindes anhand seiner körperlich sichtbaren Geschlechtsmerkmale, denen die soziale und psychologische Genderidentität folgen. Trans*Personen, die nicht das bei der Geburt zugewiesene Gender leben, und Inter*Personen, die als „medizinisch uneindeutig“ gelten, sind dabei im Prinzip undenkbar. Zweigeschlechtlichkeit entspricht der gesellschaftlichen Norm und wird strukturell privilegiert.

 

 

Cis-Sexismus

beschreibt die Diskriminierung, Ablehnung und auch Ausgrenzung von Trans*Personen durch cis-Menschen, also Menschen, deren Genderidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

 

Coming Out

In einer heteronormativen Gesellschaft wird so lange davon ausgegangen, dass eine Person heterosexuell und cis-geschlechtlich ist, bis sie sich öffentlich als als lesbisch, bisexuell, pansexuell, trans*, inter*, queer, gender-nonconforming, genderqueer usw. positioniert. Dies wird dann als “Coming Out” (Englisch: herauskommen, sich bekennen) bezeichnet .

 

Critical Whiteness

siehe Kritisches Weißsein

 

Definitionsmacht

Das Konzept der Definitionsmacht geht davon aus, dass der_die „Betroffene“ einer sexistischen oder rassistischen Diskriminierung allein entscheiden darf, wann eine Grenzüberschreitung stattfindet und ob er_sie sich gerade durch eine Aussage oder Handlung diskriminiert fühlt, also damit faktisch eine Diskriminierung vorliegt. Diese Entscheidung ist nach diesem Konzept nicht anzufechten.

 

Dekolonial

eine Haltung oder eine Vorstellung von der Welt, die versucht, Geschichte nicht von Europa aus zu denken und zu schreiben, und die jene Menschen und Weltgegenden, die seit der europäischen kolonialen Expansion im 15. Jahrhundert auf verschiedene Weise unterdrückt worden sind/werden, als Subjekte zu begreifen. Dekolonial bezieht sich nicht nur auf eine praktische politische Ent-kolonisierung von Nationalstaaten, sondern auf ein Dekonstruieren, Verlernen und Erneuern von Denkmustern und Strukturen.

 

Diversity/Diversität

bezeichnet die Vielfalt und Heterogenität, die Wahrnehmung und die Anerkennung von vielschichtigen und unterschiedlichen Lebensrealitäten von Menschen. In einem klassischen profitmaximierenden und vermarktungsorientierten Verständnis von Diversity werden häufig Macht- und Herrschaftsverhältnisse ausgeblendet. Kritische Diversitätskonzepte hingegen haben Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten aller Menschen an allen Ressourcen sowie die Beseitigung struktureller Diskriminierung zum Ziel.

 

Empowerment

Es gibt verschiedene Konzepte von Empowerment. Das Konzept, das wir in dieser Broschüre vertreten und teils zum Thema machen, versteht unter Empowerment Prozesse, in denen Menschen oder Gemeinschaften, die Benachteiligung oder/und gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren, Autonomie und Selbstbestimmung (wieder)erlangen und ihre Interessen selbstbestimmt und autonom vertreten können.

 

“Entwicklung”

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird in deutschen Wörterbüchern „Entwicklung“ bzw. „entwickeln“ als „sich stufenweise herausbilden“ oder „in einem Prozess fortlaufend in eine neue (bessere) Phase treten“ definiert. Der Begriff ist in unserem Sprachgebrauch also eindeutig positiv konnotiert und drückt ein erstrebenswertes Ziel aus.

Dadurch kommt es zu einer Hierarchisierung verschiedener Lebensweisen. Diese Einteilung und Bewertung von Gesellschaften legitimiert(e) koloniale Gewalt und neokoloniale Einflussnahmen.

Viele Theorien und Bewegungen kritisier(t)en die “Idee” der “Entwicklung” und versuch(t)en anderes Denken über Gesellschaft sichtbar zu machen.

 

Eurozentrismus

beschreibt die Beurteilung nicht-europäischer Kulturen aus der Perspektive europäischer Werte und Normen. Europa wird als das Zentrum des Denkens und Handelns verstanden und Europas Entwicklungsgeschichte wird als Maßstab für jegliche Vergleiche mit anderen Ländern und “Kulturen” gesehen.  

 

Exotismus

Exotismus ist eine Form des Eurozentrismus und Rassismus, der Schwarze Menschen und Menschen of Colour “positiv” bewertet. Ursprünge des Exotismus finden sich im Kolonialismus, als weiße Europäer_innen das vermeintlich “Fremde” “positiv” beschrieben (z. B. “Der edle Wilde”), dies aber oft sexualisiert und herablassend gemacht haben. Es handelt sich dabei also in keiner Weise um eine “positive Romantisierung”, sondern um eine rassistische und oft auch sexistische Praxis.

 

Feminismus

Feminismus ist eine geistige Einstellung, welche die gleichen Rechte und Chancen für beide bzw. alle Geschlechter fordert. Gleichzeitig ist Feminismus eine politische Bewegung, die eine gesellschaftliche Veränderung anstrebt um genau jene Rechte und Chancen für beide bzw. alle Geschlechter zu verwirklichen. Feminismus ist keine einheitliche Theorie oder Bewegung, sondern es gibt viele verschiedene Strömungen, die verschiedene Schwerpunkte setzen und verschiedenen Wissenschaftsbereichen zugerechnet werden.

 

 

Globaler Süden & Globaler Norden

Diese beiden Begriffe sind nicht geographisch zu verstehen, sondern beschreiben verschiedene Positionen im globalen System. Der Globale Süden ist dabei politisch, gesellschaftlich und ökonomisch benachteiligt, der Globale Norden hingegen genießt gewisse Vorteile und Privilegien. Die Begriffe werden verwendet, um eine Hierarchie zwischen  „Entwicklungsländern“ und „entwickelten  Ländern“  aus  einer  eurozentrischen Sichtweise heraus zu vermeiden.

 

 

Hegemonie

Hegemonie kann die Vorherrschaft bestimmter Personengruppen und Denkmuster gegenüber anderen beschreiben. Dabei zeichnet sich diese Herrschaft nicht hauptsächlich durch Zwang und Gewalt aus, sondern durch ein pädagogisches Verhältnis zwischen Regierenden und Regierten. Die herrschenden Personengruppen/Vorstellungen sind gesellschaftlich so dominant und beeinflussend, dass die Regierten trotz ihrer eigenen Vorstellungen im Einklang mit den vorherrschenden Gruppen/Vorstellungen stehen und nicht dagegen vorgehen.

 

Heteronormativität

beschreibt, dass in einer Gesellschaft ausschließlich zwei Geschlechter akzeptiert werden, die in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen und sich gegenseitig begehren. Heterosexualität ist demnach die Norm und die einzig denkbare Form des sexuellen Begehrens – andere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten werden ausgeblendet.

 

Hetero-Sexismus

beschreibt eine gesellschaftliche Wahrnehmung und Erwartung, dass alle Menschen heterosexuell seien. Heterosexismus ist eine oft subtile/unbewusste, aber allgegenwärtige Diskriminierungsform und wertet LGBPT*IAQ-Personen als „abnormal“ und “unnatürlich” ab. Heterosexuelle Lebensentwürfe und -weisen werden als sexuelle „Normalität“ und anderen Formen sexueller Orientierung überlegen dargestellt. LGBPT*IAQ-Lebensweisen werden als Randerscheinung abgewertet oder komplett ausgeblendet.

 

Inklusion

Wörtlich heißt „Inklusion“ Zugehörigkeit und meint somit das Gegenteil von Ausgrenzung. Erstmals entstand der Begriff „Inklusion“ in den 1970er Jahren in den USA, als Vertreter_innen der „Behinderten“bewegung volle gesellschaftliche Teilhabe einforderten. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Alle werden in ihrer Unterschiedlichkeit wertgeschätzt. Es gibt weniger Hürden im Alltag und weniger Barrieren in den Köpfen und somit ein toleranteres Miteinander. Keine Person muss sich irgendwie “anpassen”, um als “normal” zu gelten.

Inklusion ist allerdings mehr als nur das Ermöglichen von Zugängen und Partizipation für alle: Es muss einen Strukturwandel und damit auch eine gesellschaftliche Veränderung geben, ehe wirklich Inklusion stattfinden kann. Dieser wichtige Aspekt ist oft nicht Teil von sogenannten Inklusionsstrategien.

 

 

 

Intersektionalität

Politischer und wissenschaftlicher Ansatz, bei dem mehrere Diskriminierungsformen wie Klasse, race oder gender zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Diskriminierung intersektional zu denken wird einer Lebensrealität gerecht, in der jede_r immer mehrfache Zugehörigkeiten empfindet oder von der Gesellschaft in verschiedenen sozialen Positionen verortet wird (nach Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, sexueller Identität, ,Behinderung‘, Herkunft, Religion, legalem und sozialem Status, Bildungsabschluss u.v.m.) und damit auch auf mehreren Ebenen diskriminiert werden kann.

 

Klassismus

Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Klasse, also der ökonomischen beziehungsweise sozialen Herkunft oder Position.

 

Kolonialismus

Als Kolonialismus wird die gewaltvolle und meist staatlich geförderte Inbesitzname anderer Länder/Regionen durch europäische Länder bezeichnet, die mit Vertreibung, Ermordung und Unterwerfung der lokalen Bevölkerung einherging.

 

Kritische Männlichkeit

geschlechterkritische Perspektive, die bestehende Rollenbilder und Machtverhältnisse mit Fokus auf Männer*/Männlichkeit hinterfragt. Kritische Männlichkeit geht davon aus, dass es eine Vielzahl von Männlichkeiten gibt, diese jedoch durch eine gesellschaftlich dominante/hegemoniale Männlichkeit unterdrückt werden. Die Offenlegung dieser Machtverhältnisse stellt sich gegen bestehende Diskriminierungen anderer Formen von Männlichkeit und im Sinne der Intersektionalität gegen weitere Diskriminierungsformen (Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ableismus, etc.). Dem Ansatz zufolge profitieren alle Männlichkeiten vom Patriarchat und erhalten eine sogenannte “patriarchale Dividende”, gleichzeitig eröffnet er einen differenzierten Blick auf unterschiedliche Männlichkeiten und die unterschiedlichen Weisen, in denen Männer* von patriarchalen Strukturen profitieren.

 

Kritisches Weißsein (engl.: Critical Whiteness)

Der Ansatz des Kritischen Weißseins geht davon aus, dass Rassismus von Weißen erfunden und etabliert wurde und deshalb vor allem ein Problem ist, das sie geschaffen haben – konsequenterweise müssen sich also Weiße mit der Konstruktion von Weißsein beschäftigen, um die Wirkungsweise von Rassismus offenzulegen. Weißsein wird als gesellschaftliche Norm konstruiert, wodurch Privilegien, die weiße Menschen genießen, weißen Menschen häufig nicht bewusst sind.

Kritisches Weißsein fördert die Reflexion der weißen gesellschaftlichen Positionierung und die Auseinandersetzung mit persönlichen Verstrickungen in rassistische Strukturen.

 

Kulturelle Aneignung (Cultural Appropriation)

Eine rassistische Praxis, bei der sich Angehörige einer Mehrheitsgesellschaft oder dominanten Gruppe Elemente einer unterdrückten und/oder marginalisierten “Kultur” wie beispielsweise Symbole, Kleidungsstücke, Schmuckstücke, Tänze, Musik, Kunst etc. aneignen. Diese Elemente werden im Prozess der Aneignung in der Regel umgedeutet, mit einer anderen Bedeutung versehen, entpolitisiert, enthistorisiert etc. Aneignung ist immer mit Machtverhältnissen und Privilegien verbunden.

 

Kultur

Umgangssprachlich verbinden viele Menschen mit Kultur alle möglichen künstlerischen, geistigen und wissenschaftlichen Dinge, die in einer bestimmten Region von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe hervorgebracht werden. Oftmals geht damit ein sehr starres, statisches und abgeschlossenes Bild von Kultur einher, die mit einem Nationalstaat gleichgesetzt wird (z. B. “argentinische Tanzkultur”). Das führt oft dazu, dass rassistische Verallgemeinerungen entstehen und der Kulturbegriff den Begriff der “Rasse” ersetzt.

Wir verstehen unter Kultur ein System, das unterschiedliche Wertvorstellungen schafft, mit Hilfe derer soziale Gruppen interagieren. Dabei kann diese Kultur staatliche wie auch familiäre, sprachliche etc. Grenzen überschreiten (z. B. Hip-Hop-Kultur, migrantische Diasporas). Auch “besitzt” eine Person nicht einfach eine Kultur, sondern wird von verschiedenen Kulturen beeinflusst, reproduziert und verändert diese. Kulturen sind immer in Bewegung und verändern sich stetig.

 

Macht(verhältnisse/strukturen)

Es gibt immer Menschen, die durch ihre besonderen Privilegien (weiß / männlich / nicht-”behindert” / heterosexuell etc.) eine Überlegenheit und mehr Chancen haben und damit in einer machtvolleren Position gegenüber weniger privilegierten Menschen stehen. Diese Machtverhältnisse prägen alle gesellschaftlichen Bereiche, wie zum Beispiel Institutionen oder zwischenmenschliche Beziehungen. Dementsprechend gibt es ökonomische, soziale, situative, rechtliche, politische etc. Macht, die auf institutioneller (z.B, Gesetze, Arbeitsmarkt), zwischenmenschlicher (z.B. Mobbing, sexuelle Belästigung) und “kulturell”-gesellschaftlicher Ebene (z.B. Normen, Werte, Werbung, Film) wirkt. Ungleiche Machtverhältnisse führen zu Bevorteilung (Privilegierung) und Benachteiligung (Diskriminierung), wie Sexismus, Rassismus, Ableismus, Klassismus.

 

Marginalisierung

Das Wort marginal kommt dem Lateinischen und bedeutet “am Rande” oder “auf der Grenze liegend”. Marginalisierung beschreibt den Prozess, in dem Teile der Gesellschaft zu Randgruppen werden.

 

Mehrfachzugehörigkeit

Durch den Begriff Mehrfachzugehörigkeit wird betont, dass Personen nie allein auf eine gesellschaftliche Dimension reduziert werden können, sondern eine Person in eine Vielzahl von gesellschaftlichen Kategorien eingeordnet wird und im Sinne der Intersektionalität auch durch diese Kategorien unterschiedliche Diskriminierungen erfahren kann, wie z. B. gleichzeitig Frau* und Schwarz zu sein.

 

Neokolonialismus

bezeichnet (neue) Abhängigkeiten ehemaliger Kolonien nach der formalen Entkolonisierung, die ähnlichen oder gleichen kolonialen Mustern/Logiken folgen.

 

Norm

Eine Norm ist das, was sich in der Gesellschaft als “normal” etabliert und deshalb als selbstverständlich empfunden wird. Wegen dieser Selbstverständlichkeit wird oft nicht die Notwendigkeit verspürt, sie zu benennen, sondern es wird eher über die „Abweichungen” von den Normen geredet. Es wird beispielsweise öfter Homosexualität benannt oder die Tatsache, dass eine Person Schwarz ist, als Heterosexualität oder das Weißsein einer Person, weil das als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird.

 

Othering

beschreibt den Gebrauch und die Distanzierung von anderen Gruppen, um seine eigene „Normalität“ zu bestätigen. Im Deutschen könnte man es mit „jemanden anders(artig) machen“ übersetzen. Othering beschreibt den Prozess, sich selbst bzw. sein soziales Bild positiv hervorzuheben, indem mensch eine_n anderen bzw. etwas anderes negativ brandmarkt und als andersartig, das heißt „fremd“ klassifiziert. Sei es wegen der (zugeschriebenen) Herkunft, der geographischen Lage, der Ethik, der Umwelt oder der Ideologie. In dieser Differenzierung liegt potenziell hierarchisches und stereotypes Denken, um seine eigene Position zu verbessern und als richtig darzustellen.

 

Passing

bezeichnet, wenn die soziale Identität einer Person – etwa Geschlecht, Klasse, sexuelle Orientierung oder eine “Behinderung”– von Außenstehenden als die Identität erkannt wird, mit welcher er_sie sich identifiziert, bzw. er_sie nach außen hin zeigen möchte beispielsweise wenn eine Trans-Frau von der Umgebung als Frau wahrgenommen wird.

 

Paternalismus

bezeichnet das Bestreben, eine andere Person zu bevormunden. Dies kann bewusst oder unbewusst sein und äußert sich je nach Kontext ganz unterschiedlich: So kann beispielsweise der Wunsch zu helfen in manchen Fällen paternalistisch sein, da die helfende Person davon ausgeht, dass ihre Hilfe gebraucht wird und die andere Person ohne ihre Hilfe nicht zurecht kommen würde, oder sie nicht um Hilfe gebeten wurde.

 

Patriarchat

beschreibt ein System, in dem Männer die privilegierte, unterdrückende, machtvolle Position einnehmen.

 

Positionierung

Wenn wir vom quix-kollektiv von “Positionierung” sprechen, meinen wir die Verortung einer Person aufgrund unterschiedlicher Identitätsmerkmale und die damit einhergehenden Erfahrungen z. B. durch Diskriminierungen oder Privilegien, die jede Person prägen. So meint die Positionierung als weiße genderqueere Person zum Beispiel, dass eine Person im System Rassismus keine Diskriminierungserfahrungen machen kann, sondern viele Vorteile und Privilegien genießt, während sie im System Sexismus durch ihre Genderidentität Benachteiligungen und Diskriminierungen erfahren kann.

 

 

Postkolonial

In dieser Broschüre beschreibt dieser Begriff nicht einfach die Situation nach dem formalen Ende kolonialer Herrschaft, sondern die weiterhin bestehenden Abhängigkeiten und Beziehungen zwischen den Kolonisatoren und den ehemaligen Kolonien. Koloniale Einflüsse sind demnach nicht geschichtlich mit der Unabhängigkeit der kolonisierten Staaten abgeschlossen, sondern wirken bis heute fort, wie zum Beispiel Rassismus oder globale Arbeitsteilung. Diese Sichtweise ermöglicht eine kritische Reflexion kolonialer Prozesse und ihrer Folgewirkungen.

 

Privileg

ist ein Recht, ein Vorteil oder eine Sicherheit, die ein Mensch aufgrund einer (zugeschriebenen) Zugehörigkeit zu einer Gruppe bekommt. Gleichzeitig bleibt diese Person aufgrund dieses Privilegs von bestimmten Belastungen und Diskriminierungen verschont. Privilegien beruhen auf historisch gewachsenen, institutionalisierten Systemen – wie beispielsweise Sexismus oder Rassismus.

 

Race/,Rasse’

Einige Autor_innen verwenden den deutschen Begriff ,Rasse’ mit Anführungszeichen, um so einen deutlichen Bezug zur spezifischen deutschen Geschichte des Antisemitismus, Kolonialismus, Nationalsozialismus, des kolonialen Genozids und der Shoa zu benennen.

Andere Autor_innen ziehen gerade wegen dieser spezifischen deutschen Vergangenheit den englischen Begriff race vor, um sich von der nationalsozialistischen “Rassenlehre” abzugrenzen.

Race/,Rasse’ bezeichnen konstruierte Gruppenzugehörigkeiten, die gesellschaftliche Verhältnisse naturalisieren, indem vermeintliche oder tatsächliche Körpermerkmale mit Charaktereigenschaften und Handlungen der Menschen so verknüpft werden, dass bestimmte Verhaltensweisen für ein Resultat der angenommenen/angeblichen Abstammung/geografischen Herkunft gehalten werden. Menschliche ‘Rassen’ existieren nicht, aber Menschen können von Rassismus betroffen sein.

 

Rassifizierung (häufig auch: Rassialisierung)

Prozess der “Rassen”konstruktion, der ein gesellschaftliches Machtverhältnis zwischen privilegierten und diskriminierten Gruppen etabliert, aufrecht hält und häufig mit kultureller Abwertung, sozioökonomischer Diskriminierung und politisch-rechtlicher Benachteiligung einhergeht.

 

Rassismus

alle Denk- und Redeweisen, Einstellungen und Handlungen, die Menschen auf Grund ihnen zugeschriebener biologischer und/oder kultureller Merkmale und/oder ihrer zugeschriebenen Herkunft benachteiligen.

Neben individuellen und gruppenbezogenen rassistischen Denkmustern und Handlungen sind rassistische Strukturen in Institutionen und staatlichen Regelungen verankert und werden in ihnen reproduziert und aufrechterhalten.

In dieser Broschüre vertreten wir eine machtkritische, erweiterte Definition, die u.a. von der post- und dekolonialen Theoretikerin und Künstlerin Grada Kilomba formuliert wird: Demnach ist Rassismus ein Prozess, der aus drei wichtigen Elementen besteht: 1.) Konstruktion von Differenz. Hierbei werden Menschen, die als ‚anders‘ wahrgenommen werden, von jenen Menschen, die die Macht haben, sich selbst als Norm zu setzen, als ‚anders‘ konstruiert. 2.) Diese Unterschiede werden hierarchisch bewertet. 3.) Diese Prozesse, die auch als Vorurteil bezeichnet werden, sind schließlich von historischer, politischer, sozialer und ökonomischer Macht begleitet. Die Kombination aus Vorurteil und Macht formt somit Rassismus.

 

Sexismus

Sexismus bezeichnet die auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung und umfasst Geschlechterstereotype und Verhaltensweisen, die den Spielraum zur individuellen Selbstverwirklichung einschränken. Durch ein historisches und auch aktuell anhaltendes Machtungleichgewicht sind Männer* gegenüber Frauen* privilegiert. Sexismus besteht also aus Vorurteil und Macht. Das bedeutet, dass Männer zwar auch von Stereotypen und sehr problematischen Erwartungen betroffen sein können (z.B.: „Jungs*/Männer* dürfen nicht weinen, müssen immer stark sein“), aber auf einer strukturellen Ebene beispielsweise im Berufsleben sehr oft Vorteile aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts genießen und damit eine privilegiertere Position als Frauen* in der Gesellschaft innehaben.

(siehe auch: Cis-Sexismus, Hetero-Sexismus)

 

Sexualisierte Gewalt

bezeichnet Eingriffe in die sexuelle Selbstbestimmung. Darunter fallen sowohl Straftatbestände wie sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch oder Beleidigung auf sexueller Grundlage, aber auch Grenzüberschreitungen, die bisher keine Straftatbestände sind, zum Beispiel „Betatschen“. In feministischen Kreisen hat es sich etabliert, von sexualisierter statt von sexueller Gewalt zu sprechen. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass diese Formen der Gewalt nichts mit Sexualität zu tun haben und auch ihren Ursprung nicht darin haben, sondern dass Gewalt sexualisiert wird und eben keine gewalttätige Sexualität ist.

 

Zweigeschlechtersystem (auch: Zweigenderung)

siehe binäre Geschlechterordnung